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Gedenkorte am ehemaligen KZ-Außenlager Drägerwerk

Eine der Tafeln mit den Namen der im KZ Drägerwerk inhaftierten Frauen.
Blick auf die Gedenkstätte am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Wandsbek-Drägerwerke.
Waschtrog in der Gedenkstätte Wandsbek.
Mahnmal in der Gedenkstätte Wandsbek.
Mahnmal in der Gedenkstätte Wandsbek.

Im Juni 1944 entstand in Wandsbek das erste Frauenaußenlager des KZ Neuengamme in Hamburg. Über 500 Frauen unterschiedlicher Nationalität waren hier untergebracht, fast alle waren politische Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück. Für die Hamburger Niederlassung der Lübecker Drägerwerk AG mussten sie in der Gasmaskenproduktion arbeiten.

Lebensbedingungen
Für die Unterbringung der Häftlinge waren im Frühjahr 1944 auf dem Werksgelände in der Ahrensburger Straße 162 drei Baracken errichtet worden. Mehrere Frauen starben an den Folgen von Misshandlungen durch die SS, zwei Frauen wurden „auf der Flucht erschossen“. Am 29. August 1944 wurde die Russin Raja Ilinauk wegen angeblicher Sabotage im Lager erhängt. Im März 1945 unternahm das Drägerwerk Versuche, wie lange Menschen in einem gasdichten Luftschutzraum ohne Belüftungsanlage überleben können. Für diese Versuche wurden Häftlinge des Außenlagers Wandsbek in Luftschutzbunker in verschiedene Hamburger Stadtteile verbracht. Auch wenn die Versuche nicht den Tod beabsichtigten und hierbei auch niemand den Tod fand, fürchteten die Frauen beim Schwinden des Sauerstoffs um ihr Leben. Die meisten Frauen aus dem Lager in Wandsbek wurden durch das schwedische Rote Kreuz gerettet, das sie am 1. Mai 1945 mit einem Zug von Hamburg nach Padborg in Dänemark und von dort weiter nach Schweden brachte.

Langer Weg zum würdigen Gedenken
Nach dem Krieg wurden die Baracken abgerissen und Produktionshallen, unter anderem für die Firma Agfa-Gevaert, errichtet. Am Eingang zum Firmengelände ließ die Kulturbehörde im Mai 1988 eine Gedenktafel anbringen. Im Unterschied zu anderen Firmen, die zu den Nutznießern der KZ-Zwangsarbeit zählten, verschlossen sich auch die Drägerwerke nicht einer geschichtlichen Aufarbeitung. Sie förderten zum Beispiel Besuchsreisen ehemaliger KZ-Häftlinge aus Polen und Slowenien. Nach Aufgabe der gewerblichen Nutzung entstand 2004/2005 auf dem Gelände die Wohnsiedlung „An der Rahlau“. Nach einer entsprechenden Auflage des Bezirksamts Wandsbek richtete der Bauträger eine kleine Gedenkanlage ein: Lediglich einige Zaunpfähle und ein erhaltener Waschtrog markieren den Ort, eine Wegweisung fehlt. Nach öffentlicher Kritik wurde die Anlage überarbeitet. Doch die Frage einer öffentlichen Zuwegung blieb strittig.

Zwei Gedenkstätten an einem Ort
Im Jahr 2010 entstand direkt neben dem ehemaligen Lagergelände auf öffentlichem Grund eine zweite, erweiterte Gedenkstätte mit einer abstrakten Skulptur. Dieser Ort war nun allgemein zugänglich. Die Skulptur folgt in ihren Grundformen einem gleichschenkeligen Dreieck. Sie bezieht sich damit auf die Winkel, mit denen die SS die KZ-Häftlinge an ihrer Kleidung kennzeichnete. Auf sechs Dreiecken aus Granitstein sind die Namen der im KZ Drägerwerk inhaftierten Frauen zu lesen. Der Hauptteil der Skulptur zeigt zwei ineinander verschränkte und in Ketten gelegte Dreiecke. Der Entwurf stammt von zwei Schülerinnen des  Charlotte-Paulsen-Gymnasiums und entstand im Rahmen eines Kunstkurses.

Informationen zum KZ-Außenlager in Wandsbek

Denkmal
Gedenkorte am ehemaligen KZ-Außenlager Drägerwerk
Tonndorf
Ahrensburger Straße 162

Kontakt

Bezirksamt Wandsbek

Schlossstraße 60
22041 Hamburg
Telefon: 040-428813024
Kategorien:
Denkmal
Themen:
KZ-Außenlager
Opfergruppen