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Geschichtsort Stadthaus

Ausstellung "Das Stadthaus im Nationalsozialismus. Eine Zentrale des Terrors".
Der von ehemaligen Gefangenen als "Seufzergang" bezeichnete Verbindungsgang über das Bleichenfleet.
Arkadengang über das Bleichenfleet mit einer Ausstellung zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Stadthaus-Gebäudekomplexes.
Geschichtsort Stadthaus
Schwarze Informationstafel zum Stadthaus in den "Stadthöfen".
Eckgebäude des ehemaligen Stadthauses.
Gedenktafel an der Stadthausbrücke.

Die Geschichte des Ortes

Das Stadthaus an der Stadthausbrücke/Neuer Wall, heute die „Stadthöfe“, war bis Juli 1943 Sitz des Hamburger Polizeipräsidiums. In dem Gebäudekomplex waren zentrale Befehlsstellen untergebracht, darunter die des Kommandeurs der Schutzpolizei und zeitweilig des Inspekteurs der Sicherheitspolizei, sowie die Kriminalpolizei- und Staatspolizeileitstellen. Viele Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren für die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und die Kriminalpolizei an diesem Ort tätig. Hier organisierte die Polizei die Verfolgung von politischen Gegnerinnen und Gegnern, Jüdinnen und Juden, Sintize und Sinti, Romnja und Roma sowie weiteren Gruppen. Das Stadthaus war damit eine Zentrale des Terrors und der Gewalt, deren Bedeutung weit über Norddeutschland hinausging. Auch der Kriegseinsatz norddeutscher Polizisten in Polen und in der Sowjetunion und deren aktive Mitwirkung am Völkermord wurden von der Hamburger Polizeileitung im Stadthaus organisiert und mit verantwortet.

Frauen und Männer wurden hier nach ihrer Verhaftung in Kellerräumen unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert und mussten bei Verhören brutale Misshandlungen erleiden. Polizisten übten unkontrollierten Terror aus, wie er von der Hamburger NSDAP-Führung erwartet wurde. Sie erzwangen mit „verschärften Vernehmungen“ Geständnisse. Gefangene wurden erniedrigt, gefoltert und in den Tod getrieben. Die Beamten beteiligten sich durch die Einweisungen in Konzentrationslager und Anträge auf „Sonderbehandlung“ an Entscheidungen über Leben und Tod von Hamburger Bürgerinnen und Bürgern.

Zur Entwicklung eines Erinnerungsortes

Nach Kriegsende dienten Teile des Stadthauses als Sitz für Hamburger Behörden – zuletzt, bis 2013, für die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Seit 1981 erinnert eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Gebäudes Stadthausbrücke 8 an die Nutzung des Gebäudes durch die Gestapo. Mit dem Kauf des Gebäudekomplexes 2009 übernahm der Investor, die Quantum Immobilien AG Hamburg, die Verpflichtung, in den Stadthöfen einen Lernort mit unterschiedlichen Inhalten einzurichten und den Betrieb sicherzustellen. Das Konzept umfasste eine Dauerausstellung auf einer gemeinsamen Fläche mit der Sortimentsbuchhandlung „Lesesaal“ und einem Literatur-Café in der Stadthausbrücke 6 sowie am Arkadengang in unmittelbarer Nähe. Der Geschichtsort wurde von 2018 bis 2022 von der Buchhandlung „Lesesaal“ betrieben.

Seit Mai 2018 informierte bereits eine Interimsausstellung über die Geschichte des Gebäudes im Nationalsozialismus. Ende Januar 2020 wurde die Dauerausstellung „Das Stadthaus im Nationalsozialismus. Eine Zentrale des Terrors“ fertiggestellt. Zusätzlich informiert auf dem Arkadengang über dem Bleichenfleet eine Ausstellung über die Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudeensembles der heutigen Stadthöfe, der Schwerpunkt liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus. Außerdem ist der „Seufzergang“ öffentlich zugänglich. Dieser Gang über das Bleichenfleet wurde genutzt, um – von der Öffentlichkeit abgeschirmt – Gefangene von den Arrestzellen zu den Vernehmungszimmern zu bringen. Dort können an einer Hörstation Berichte ehemaliger Gefangener über die Verhörsituation und die erlittenen Misshandlungen im Stadthaus abgerufen werden. Alle Ausstellungselemente sind in deutscher und englischer Sprache verfügbar.

Trotz der Informationsangebote empfinden viele Verbände und Angehörige ehemals Verfolgter die ausgewählte Fläche aufgrund der geringen Größe und wegen fehlender Räumlichkeiten für die pädagogische Arbeit als ungeeignet, um als Lernort fungieren zu können. Daraufhin wurden die städtischen Bemühungen verstärkt, dem Ort die seiner historischen Bedeutung entsprechende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

2022 wurde das Denkzeichen „Stigma“ der Künstlerinnen Ute Vorkoeper und Andrea Knobloch realisiert, das aus einem von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg ausgelobten Kunstwettbewerb als Siegerentwurf hervorgegangen ist. Auf dem Gehweg vor dem ehemaligen Stadthaus wird hiermit in markanter Art und Weise auf die Geschichte des Gebäudes hingewiesen.

Neben den regelmäßig von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte angebotenen Rundgängen gibt ein 2020 erstellter filmischer Rundgang anhand historischer Fotos und aktueller Aufnahmen einen Überblick über die Geschichte des Stadthauses sowie den heutigen „Geschichtsort Stadthaus“ und dem öffentlich zugänglichen „Seufzergang“.

Der umfangreiche zweisprachige Ausstellungskatalog Das Stadthaus und die Hamburger Polizei im Nationalsozialismus ist 2021 erschienen.

Die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte hat im Herbst 2022 die Trägerschaft für den Geschichtsort Stadthaus übernommen. Seit Juli 2023 ist der Ort in erweiterter Form wiedereröffnet: Die beiden Dauerausstellungen und der „Seufzergang“ sind durch einen Lernort ergänzt, der mit Veranstaltungen, Workshops und temporären Ausstellungen Raum schafft für einen aktiven Austausch zu Fragen des Nationalsozialismus und seiner Nachgeschichte sowie zu aktuellen erinnerungspolitischen Themen der Stadt.

Veranstaltungen

bis
Ausstellung
Haus im Park, Gräpelweg 8, 21029 Hamburg

Ausstellung: Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Der Widerstand von Frauen gegen die nationalsozialistische Diktatur war vielfältig, risikoreich und mutig. Dennoch ist er nach 1945 über Jahrzehnte in der deutschen Öffentlichkeit nicht oder nur unzureichend beachtet worden. Darüber berichtet eine Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand mit zahlreichen Biographien. Die AG Gedenken des Rathausbündnisses gegen Rechtsextremismus Bergedorf präsentiert diese Ausstellung im Haus im Park in Hamburg-Bergedorf. Die Ausstellungsbiographie von Inga und Jutta Madlung wird außerdem im Geschichtsort Stadthaus präsentiert. Der Eintritt ist frei.

Orte: Haus im Park, Gräpelweg 8, 21029 Hamburg und Geschichtsort Stadthaus, Stadthausbrücke 6, 20355 Hamburg
Mehr Infos: ag-gedenken-bergedorf.de 

19:00 - 20:30 | Gespräch
Geschichtsort Stadthaus, Stadthausbrücke 6, 20355 Hamburg

Suitcase Stories – Zikaron BaSalon: Geschichten im Koffer

Kurz vor dem Gedenktag des 9. November lädt das MIT•2•WO Kulturnetzwerk zu einem besonderen, dialogzentrierten Erinnerungsformat in den Geschichtsort Stadthaus ein. In einer geschützten, wohnzimmerähnlichen Atmosphäre widmet sich die Veranstaltung den Erzählungen jener Menschen, deren Biografien durch die nationalsozialistische Vertreibung, Ausgrenzung und Verfolgung geprägt wurden.

Das zentrale Symbol des Abends ist der „Koffer“. Er steht sinnbildlich für das materielle und ideelle Gepäck, das über Generationen hinweg getragen wurde – nicht nur von Jüdinnen und Juden, sondern ebenso von Sinti und Roma, homosexuellen Menschen, politisch Verfolgten sowie als „asozial“ stigmatisierten Gruppen. Durch das Teilen von Kurzporträts werden Brüche in Lebensläufen, aber auch gelebte Widerstandskraft und kulturelle Beständigkeit sichtbar gemacht. Abseits von reinem Pathos entsteht so ein Raum für eine warmherzige, respektvolle Begegnung, die individuelle Schicksale mit unserer kollektiven Geschichte verwebt und Mehrstimmigkeit unmittelbar erlebbar macht.

Eine Kooperation des MIT•2•WO Kulturnetzwerks mit der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte. Anmeldung erforderlich unter www.mit2wo.de 

18:00 - 20:00 | Vortrag
Geschichtsort Stadthaus, Stadthausbrücke 6, 20355 Hamburg

Etkar André und Fiete Schulze: Widerstand und internationaler Protest

Etkar André und Fiete Schulze gehören zur Hamburger Arbeiterbewegung und zählen zu den bekanntesten Hamburger Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus. Beide wurden im Hamburger Stadthaus von der Gestapo schwer misshandelt und gefoltert. Nach ihrer Verurteilung zum Tode wurden sie im Hof des Hamburger Untersuchungsgefängnisses mit dem Handbeil hingerichtet – Fiete Schulze am 6. Juni 1935, Etkar André am 4. November 1936. Am 4. November 2026 wurden dort am Holstenglacis 3 (Untersuchungsgefängnis) Stolpersteine zur Erinnerung an beide Widerstandskämpfer eingeweiht. Die begleitende Veranstaltung erinnert an die zwei Hamburger Widerstandskämpfer und ordnet ihre Verfolgung in den historischen Zusammenhang von Arbeiterbewegung, nationalsozialistischer Gewalt, internationaler Proteste und Solidarität sowie der propagandistischen Inszenierung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin ein.

Eine Veranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Hamburg (VVN-BdA Hamburg) in Kooperation mit der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

16:00 - 17:30 | Präsentation
Geschichtsort Stadthaus, Stadthausbrücke 6, 20355 Hamburg

„StoryFinder“ Abschluss eines partizipativen Jugendbildungsprojekts

Wir feiern den Abschluss unseres partizipativen Jugendbildungsprojekts „StoryFinder“ mit dem Launch einer neuen WebApp. Vorgestellt werden das Projekt, die StoryFinder-WebApp mit interaktiver Hamburg-Karte und die Beiträge der Teilnehmenden. Anhand einer kleinen Handreichung gibt es Anregungen zur Nutzung der Projektergebnisse als Bildungsmaterial. Neben kurzen Inputs ist Zeit zum Ausprobieren der WebApp und zum Austausch bei Snacks und Getränken. Die Veranstaltung richtet sich an Mitarbeitende von Gedenkstätten, Lehrkräfte und Multiplikator*innen der historisch-politischen Bildungsarbeit. Um Anmeldung wird gebeten.

 

bis
Ausstellungseröffnung
Geschichtsort Stadthaus, Stadthausbrücke 6, 20355 Hamburg

„Archive der Abwesenheit“

Mit „Archive der Abwesenheit“ zeigt das Stadthaus gleich drei Installationen, die sich mit der Frage nach der Annäherung an Biografien beschäftigen. Mit der von Dina Polus entworfenen räumlichen Anordnung entstehen auch neue Perspektiven auf den Geschichtsort Stadthaus. Im Gespräch mit Dina Polus (Hamburg) und Renée Grothkopf (Hamburg/Dortmund) geht es um künstlerische Perspektiven und Annäherungen an Biografien von queeren Menschen in Hamburg, die während der NS-Zeit verfolgt wurden.
Anmeldung hier. 

19:00 - 21:00 | Podiumsdiskussion
Geschichtsort Stadthaus, Stadthausbrücke 6, 20355 Hamburg

Die Bürgerrechtsbewegung der Roma und Sinti in Hamburg

Mit der Befreiung der Konzentrationslager und der Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands endete die Diskriminierung und Ausgrenzung der Roma und Sinti nicht. Erst der langjährige Kampf der Betroffenen selbst führte zu ihrer Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus und schuf Aufmerksamkeit für die anhaltende Diskriminierung der Minderheit. Bedeutende Ereignisse dieser Bürgerrechtsbewegung waren die Besetzungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in den 1980er-Jahren durch Aktivist*innen aus der Community.
Zusammen mit Akteur*innen der Bürgerrechtsbewegung aus Hamburg sprechen wir über die Besetzung des Gedenkstättengeländes und die Bedeutung der Bürgerrechtsbewegung für die Gegenwart.

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Anmeldung hier. 

Ausstellung
Geschichtsort Stadthaus
Neustadt
Stadthausbrücke 6

Kontakt

Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen

Jean-Dolidier-Weg 75
21039 Hamburg
Telefon: 040-428131580

Öffnungszeiten
Montag bis Samstag 10-17 Uhr. An Sonntagen und Feiertagen geschlossen.
Der Eintritt ist frei.
Die Ausstellungen sind mit dem Rollstuhl barrierefrei zugänglich, der „Seufzergang“ nicht.
Es finden regelmäßig kostenfreie Rundgänge durch das ehemalige Stadthaus und den Geschichtsort Stadthaus statt.

Kategorien:
Ausstellung
Gedenktafel
Themen:
Haftstätte
Opfergruppen
Widerstand